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Talk. Listen. Feel

  • Autorenbild: Julia Schallberger
    Julia Schallberger
  • 18. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit



Welt der Guten & Bösen

Im Kindergartenalter waren Mary Poppins, Pippi Langstrumpf und Peter Pan die einflussreichsten Figuren meiner Welt. Sie waren mutig, schlau, ehrlich, kreativ und setzten sich für eine gute Zukunft der Kinder ein.


Noch heute zählen sie zu den Lieblingshelden unserer sechsjährigen Zwillinge. Im Unterschied zu mir damals wissen unsere Kinder längst, dass die „richtige Welt“ nicht nur von heldenhaften Gutmenschen geprägt ist. Im Postauto blicken sie auf die Newsanzeige und rufen empört: „Immer dieser blöde Trump, Musk und Putin. Mami, warum sind die überall und warum führen sie eigentlich Kriege?“


Der Rede Wert

Ich wünschte, ich könnte die Omnipräsenz dieser Köpfe mit der Vorbildfunktion von Poppins, Pippi und Pan erklären. Stattdessen muss ich Begriffe wie Machtgier, Grössenwahn und Unterdrückung einführen. Viel zu früh? Ich fürchte nein. Die Fragen stehen im Raum, und die Kinder haben ein Recht darauf, zu verstehen, in welcher Welt sie aufwachsen.

Entscheidend ist die Sprache. Wie erkläre ich kindgerecht? Und wie schaffe ich es - anstelle von Gefühlen wie Angst oder Machtlosigkeit, die Sicherheit zu vermitteln, dass sie in ihrem kleinen, doch heilen Umfeld durchaus selbst zu einer besseren Welt beitragen können.

Dabei kommt mir ein Satz in den Sinn. Es ist einer dieser prägnanten, unanfechtbaren Sätze, den man irgendwann einmal gehört hat und der einen seither durchs Leben begleitet. Ein solcher Satz verbindet meinen Mann und mich seit unserer Hochzeit in den Bergen. Die Frau, die uns den Apéro servierte, nahm uns damals zur Seite und sagte: „Höred nia uf mitenand z rede. Redä, redä, redä – das isch dr Kern vo allem.“ Dass sie recht hatte, wussten wir sofort.


Neun Jahre später greife ich diesen Gedanken mit unseren Kindern auf: Vielleicht führen manche Menschen Kriege, weil sie nie gelernt haben, ihre Bedürfnisse offen auszudrücken und im Gespräch Lösungen und Kompromisse zu finden. Stattdessen nehmen sie sich gewaltsam, was sie für Ihres halten. Ohne Geduld, ohne Bitte, ohne den Glauben an eine friedliche Lösung.


Talk, Listen, Feel: Grundlagen für den Frieden

Die Kinder nicken und ich weiss, dass sie mich verstehen. Auch wenn es manchmal Tage gibt voller Streit, Tränen und fliegender Spielsachen, wissen sie, was Worte verändern können. Ob im Kindergarten, in der Familie, oder mit Freunden - täglich erleben sie, wie es ist, gehört zu werden, sich zu entschuldigen und Trost zu finden.

Am Ende bleibt für mich eine klare Erkenntnis: Kommunikation, Aufmerksamkeit und Empathie sind die Werte, die diese Welt braucht und die ich unseren Kindern als höchstes Gut weitergeben will. Denn wo Beziehungen wachsen, entsteht Sicherheit. Oder anders gesagt: Wer Verbindung schafft, gibt seinem Gegenüber keinen Grund, ihm wehzutun.

Julia Schallberger, April 2026

 
 
 

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