Kolumne Gedankenstrich - Flow
- Julia Schallberger

- 27. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Erschienen im Wochenblatt am 27. Februar 2026

Im Fluss
Als Mädchen hatte ich eine Schreibmaschine, auf der ich Geschichten im Adlersystem runterschrieb. Ich erfand sie im Moment des Anschlags, ohne Skizze, ohne Plan. In der Schule schrieb ich Aufsätze so schnell, dass meine Hand schmerzte. Die Worte flossen wie im Sturm und doch so geordnet, dass ich beim Durchlesen kaum was änderte.
Dieses magische Gefühl, eins zu sein mit dem eigenen Tun und der Zeit, die weder drängt noch stockt, begegnete mir seither immer wieder – beim Tanzen, Theaterspiel, bei Vorträgen und besonders beim Schreiben. Manchmal lässt der Zustand auf sich warten, dann trifft er mich unvermittelt. Ich knorze an einem Text, beginne neu, bis sich etwas löst und es wie von selbst durch mich hindurchschreibt.
Ähnlich bei Führungen: In der Vorbereitung ringe ich um Worte. Dann, vor Publikum, fügen sie sich automatisch. Ich bin wach und gelassen, nehme Raum und Zuhörende bewusst wahr und improvisiere freier als in jeder Probe. Danach fühle ich mich ruhig und erfüllt, als hätte mich eine Welle getragen – kraftvoll und ohne grosse Anstrengung.
Flow - zwischen Wissenschaft & Emotion

Heute nennen wir diesen Zustand Flow. Oft wird er mit Höchstleistung verbunden – im Sport, wie in der Arbeitswelt. Die Wissenschaft zeigt, dass im Körper dabei so einiges im Einklang ist – Dopamin und Noradrenalin schärfen Fokus, Endorphine verleihen Leichtigkeit. Wir handeln intuitiver, klarer, freier.
Meine eigene Wahrnehmung beschrieb ich meiner Mutter einst als eine Art Verliebtsein, als ein Kribbeln im Bauch – nicht für einen Menschen, sondern für diesen Moment, der sich perfekt anfühlt und in dem ich mich gänzlich auflöse.
Heute weiss ich: Dieser innere Verbündete hat einen Namen. Und lässt er sich auch erklären, so niemals erzwingen. Kommt der Flow, springe ich hinein und lasse mich treiben, im Wissen darum, dass er mich gut ans Ufer trägt.
Julia Schallberger


Kommentare